3.6. Risiken von sozialen Netzwerken - worauf müssen Sie achten?
Allerdings geben die meisten Internetnutzer viel zu freigiebig und sorglos persönliche Daten und Fotos bekannt, ohne an mögliche Konsequenzen zu denken.
Die Risiken im Einzelnen
- Weitreichende Einräumung von Rechten an die Seitenbetreiber
- Private Daten sehen nicht nur „Freunde“
- Das Eigenleben der Daten
- Belästigungen, Stalking und Mobbing
- Identitätsdiebstahl
- Schadprogramme
Weitreichende Einräumung von Rechten an die Seitenbetreiber
Die Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien der Betreiber von sozialen Netzwerken standen und stehen immer wieder in der Kritik. In unübersichtlichen, langen Klauseln ließen sie sich umfassende Rechte an den eingestellten Inhalten einräumen, so dass sie z. B. die ins Netz gestellten Fotos an anderer Stelle veröffentlichen durften. Der Nutzer bestätigte oft ungelesen die Bedingungen bei der Anmeldung und willigte damit in die Freigabe der Daten zu Werbezwecken und zur Weitergabe an Dritte ein - teilweise sogar über die Mitgliedschaft hinaus.
Private Daten sehen nicht nur „Freunde“
Werden keine erhöhten Sicherheitseinstellungen am Profil vorgenommen, sind die Daten in der Regel für alle Nutzer des Netzwerkes einsehbar - und die beliebten Netzwerke haben mehrere Millionen registrierte Nutzer. Im Bewerbungsprozess nutzen Arbeitgeber auch soziale Netzwerke, um Informationen über mögliche, künftige Mitarbeiter herauszufinden. Der Personalchef weiß dann schon vor dem Vorstellungsgespräch, dass der Bewerber z. B. Mitglied der Gruppe „Kampftrinker“ ist oder freizügige Fotos ins Netz stellt. Auch Kriminelle können eingestellte Hintergrundinformationen nutzen, wie zum Beispiel Hinweise auf eine Urlaubsreise, und so z. B. herausbekommen, welche Wohnungen in der Urlaubszeit leer stehen.
Das Eigenleben der Daten
Einmal ins Netz gestellte Daten können ohne großen Aufwand kopiert, weitergegeben und an anderer Stelle ins Netz gestellt werden. So können Daten plötzlich auf anderen Seiten im Internet auftauchen oder für andere Zwecke missbraucht werden – auch nachdem diese vermeintlich aus dem sozialen Netzwerk gelöscht wurden.
Belästigungen, Stalking und Mobbing
Die im Internet bestehende Distanz (man sieht, hört und fühlt den anderen nicht) setzt die Schwelle, andere zu beleidigen und zu beschimpfen, herab. So kommt es in sozialen Netzwerken vermehrt zu Beschimfungen, Bloßstellungen und Ausgrenzungen anderer. Private Streitereien und Missachtungen werden in die virtuelle Welt getragen und bekommen dort eine ganz neue Dimension und Schärfe. Mitschüler, Lehrer oder Fremde können so vor einer großen Öffentlichkeit gedemütigt werden. Auch aus zunächst harmlosen Flirts und Kontaktaufnahmen können schwerwiegende Belästigungen und Cyber-Stalkings werden.
Identitätsdiebstahl
Kommen Kriminelle an die Zugangsdaten von einem Mitglied, können Profildaten eingesehen, geändert und Nachrichten verschickt werden. Die "Freunde" merken davon nichts und denken, alle Änderungen und Nachrichten kämen von der bekannten Person. So können die Kriminellen das fremde Profil nutzen, um Schadsoftware zu verbreiten oder die vernetzten "Freunde" wegen einer Notsituation um finanzielle Hilfe zu bitten.
Schadprogramme
Kriminelle nutzen vermehrt soziale Netzwerke, um beispielsweise Schadsoftware (Würmer, Trojaner o. ä.) zu verbreiten. Sie versenden z. B. Nachrichten, die einen Link auf manipulierte Webseiten enthalten. Klickt der Empfänger auf den angegebenen Link, wird er auf der Zielseite z. B. aufgefordert, ein Zusatzprogramm (z. B. Flash-Player) zu installieren und holt sich mit dem Download das Schadprogramm auf den eigenen Rechner.
Problematisch sind auch interne Zusatz-Anwendungen (z. B. Mini-Spiele). Sie stammen meist von Drittanbietern, deren Sicherheitsstandards nicht zwangsläufig denen der sozialen Netzwerke entsprechen müssen. Auf diese Weise können Schadprogramme verbreitet werden.
Spielregeln für den Umgang mit sozialen Netzwerken
Auf öffentlichen Druck hin haben die Betreiber der größten deutschen Communities ihre Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen verbessert. Im Vordergrund stehen dabei höhere Datenschutzstandards und eine Verbesserung der technischen Vorkehrungen zum Schutz vor Datenmissbrauch und Cyber-Mobbing.
Dennoch muss vor allem der einzelne Nutzer sorgsam mit seinen persönlichen Daten umgehen!
- Achten Sie auf die Übersichtlichkeit und Lesefreundlichkeit der Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen und lesen Sie diese genau durch. Mit ihrer Bestätigung sollten Sie NICHT automatisch der freien Nutzung und Weitergabe Ihrer Daten zustimmen.
- Räumen Sie dem Seitenbetreiber niemals weit reichende Nutzungsrechte (wie eine Weitergabe an Dritte, eine Veröffentlichung in Suchmaschinen oder eine Nutzung auch nach Beendigung der Mitgliedschaft) ein!
- Haben Sie in der Vergangenheit eine Einwilligung erteilt, können Sie diese jederzeit widerrufen. Dann darf der Seitenbetreiber ab diesem Zeitpunkt Ihre Daten nicht mehr nutzen.
- Richten Sie sich eine "Privatsphäre" ein. Bei den meisten Anbietern kann man einstellen, wer welche Teile eines Profils sehen kann. Wie das geht, erfahren Sie im Leitfaden der EU-Initiative Klicksafe unter www.klicksafe.de. Hier bekommen Sie Schritt für Schritt erklärt, wie Sie entsprechende Sicherheitseinstellungen vornehmen können.
- Stellen Sie so wenige Informationen wie möglich von sich ins Netz. Geben Sie insbesondere nicht Ihre Adresse, Ihre Telefonnummer und E-Mail-Adresse bekannt.
- Stellen Sie keine persönlichen (insbesondere intime) Fotos online.
- Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Web-Präsenz: Geben Sie dafür Ihren Namen in einer Personensuchmaschine oder allgemeinen Suchmaschine ein.
- Stehen Fotos oder Äußerungen von Ihnen/über Sie im Internet, mit denen Sie nicht einverstanden sind, kontaktieren Sie den Seitenbetreiber und fordern Sie ihn auf, die Inhalte zu löschen.
- Werden Sie belästigt oder gemobbt oder bekommen Sie mit, dass dies jemand anderem passiert, melden Sie es sofort dem Seitenbetreiber.
- Kontaktiert Sie ein "Freund" mit zweifelhaften Nachrichten oder bittet Sie über ein soziales Netzwerk um Hilfe, erkundigen Sie sich in der realen Welt (oder zumindest außerhalb des sozialen Netzwerkes), ob diese Anfragen richtig sind.
- Wählen Sie Ihre "Freunde" mit Bedacht und bestätigen Sie nicht jede Freundesanfrage von Personen, die Sie nicht aus der realen Welt kennen.
- Folgen Sie keinen Links, die Sie über soziale Netzwerke von Fremden zugeschickt bekommen.
- Benutzen Sie immer ein sicheres Passwort und halten Sie dieses geheim.
- Installieren Sie ein Anti-Viren-Programm, achten Sie darauf, dass Ihre Computerprogramme immer auf dem neuesten Stand sind und nehmen Sie regelmäßig Updates vor (mehr bei "3.1. Computer absichern").
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Stand: März 2010
